Trotz umjubeltem Wirtschaftswachstum ist Lateinamerika weiter der
Kontinent mit der größten sozialen Ungleichheit
weltweit. Zwei Studien der Vereinten Nationen zur
sozioökonomischen Lage der Region zeigen erneut: Steigende
Wirtschaftsleistung geht nicht Hand in Hand mit gerechter
Verteilung von Einkommen, Bildungschancen, Gesundheitsvorsorge und
Mitbestimmung. Vergangenen Freitag stellte das
»Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen«
(UNDP) seinen ersten Jahresbericht 2010 für den
Karibikraum und Lateinamerika vor. Der Titel »Handeln
für die Zukunft: Gegen die Weitergabe von Ungleichheit
zwischen den Generationen« spricht Bände und legt
Zeugnis ab von der »Ungleichheitsfalle«, in die der
Kontinent seit der europäischen Eroberung verstrickt ist. Der
einleitende Appell an die Regierungen, »Ungleichheit ist ein
Hindernis für die menschliche Entwicklung, die aber reduziert
werden kann«, gehört sicher nicht zu den neuesten
Erkenntnissen. Doch kann auf den riesigen Unterschied zwischen Arm
und Reich – zehn der weltweit fünfzehn Staaten mit
stärksten sozialen Ungleichheit – finden sich in
Lateinamerika – nicht oft genug verwiesen werden.